Was bedeutet Retusche?

In der Retusche werden unerwünschte Bildteile oder Fehler entfernt bzw. durch unauffällige Bildteile ersetzt.

Z.B. gelingt es oft genug trotz viel Geduld nicht, eine Sehenswürdigkeiten oder ein Naturschauspiel zu fotografieren, ohne dass der eine oder andere Tourist mit im Bild ist. Eine rote Outdoorjacke kann das Bild so stören, dass es besser ist, mit den Mitteln der Retusche den Tourist zu entfernen.

Typische Retusche-Aufgaben sind auch die Entfernung von Kratzern, Staub oder anderen Bildfehlern, die nach dem Scannen von alten Fotos besonders deutlich sichtbar werden.

Besondere Anforderungen an den Bildbearbeiter stellt die Portrait-Retusche. Je nach Aufgabe werden vorsichtig und möglichst ohne aufzufallen kleine Korrekturen angewandt. Das Portrait soll so wirken, wie wir die Person sehen. Gerade bei Personen wirken Details in einer Fotografie ganz anders, als in der Realität. Beispielsweise können die makellosesten Zähne durch die Aufnahme grau und unansehnlich wirken. Oder die kleinen Äderchen im Augenweiß stören die gesamte Bildwirkung - in der Realität würden wir diese gar nicht wahrnehmen. Die Aufgabe ist es also, das Weiß der Augen und der Zähne so herauszuarbeiten, dass es realistisch wirkt und das Portrait unterstützt.

Oder wir fotografieren eine Person, die wir dynamisch, ja jugendlich wahrnehmen - und die Fotografie verrät unbestechlich Falten und Fältchen und erst im Bild fallen die dunklen Partien unter den Augen auf. Das Portrait soll die dynamisch, jugendliche Person zeigen, so wie wir sie wahrgenommen haben. Unsere Gehirn nimmt selektiv und interpretierend wahr. Das Foto kann diese Gehirnleistung nicht nachvollziehen. Mit den Mitten der Retusche können wir die eine oder andere Falte abmildern, die Augenpartien etwas aufhellen und andere Korrekturen vornehmen, so dass das Portrait die wahrgenommene Bildaussage wiedergibt.

Bei einer Bewerbung wird erwartet, dass sich der Bewerber von seiner besten Seite zeigt. Ob Wahlplakat, Firmenbroschüre, Homepage oder Bewerbungsfoto - sanfte Korrekturen sind meist unumgänglich.

Prinzipiell gilt: die Retusche, die bereits vor der Aufnahme vermieden werden kann, ist die beste Retusche. Je mehr der Fotograf auf das einzelne Haar quer über dem Gesicht, die Zigarettenkippe im Vordergrund oder den Zipfel einer Platiktüte im Hintergrund achtet, umso mehr erspart er sich aufwändige Bildbearbeitung.